Berühmte Weltkarte aufgetaucht
München - In der Münchner Universitätsbibliothek ist ein bislang unbekanntes Exemplar der berühmten Weltkarten des Kartographen Martin Waldseemüller entdeckt worden. Mitarbeiter fanden das einige hundert Jahre alte Dokument durch Zufall in einem unscheinbaren Bibliothekseinband, wie die Einrichtung mitteilte. Die Bibliothek sprach von einem "sensationellen Fund".
Berühmtheit erlangte Waldseemüller, der von 1470 bis 1522 lebte, mit seiner drei Quadratmeter großen Weltkarte, die gleichsam als "Geburtsurkunde" Amerikas gilt. Auf der rund 500 Jahre alten Karte findet sich erstmals die Bezeichnung "America" für den neu entdeckten Kontinent. Die Weltkarte, die auf der Weltdokumentenliste der UNESCO steht, war 2007 von Deutschland an die USA übergeben worden und liegt heute in der Library of Congress in Washington.
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Bei dem Fund in der Münchner Unibibliothek handelt es sich um eine kleinere Globuskarte von Waldseemüller, die aber ebenso "bahnbrechend für die Geografie seiner Zeit" gewesen sei wie die große Weltkarte. Wie auf einem Bastelbogen stellt die Karte die Welt aufgeteilt in zwölf lamellenartige Segmente dar. In den drei rechten Teilen ist ein riesiges Festland in Form eines Bumerangs zu sehen mit dem Namen "America".
Von diesen Globussegmentkarten kannte die Fachwelt bislang nur vier Exemplare. Nun haben die Bibliotheksmitarbeiter ein fünftes gefunden, durch "reinen Zufall", wie es hieß. Die etwa DIN A4 große Globuskarte lag in einem Bibliothekseinband aus dem 19. Jahrhundert zwischen zwei Drucken zur Geometrie.
"Schätze wie die jetzt entdeckte Karte kann nur heben, wer mit den Originalen arbeitet", erklärte Klaus-Rainer Brintzinger, Direktor der Universitätsbibliothek. Dies sei ein weiterer Beweis dafür, dass Originale auch im digitalen Zeitalter "nichts von ihrer Bedeutung und Einzigartigkeit" verlieren. Die Karte soll nun am Mittwoch in digitaler Form der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Über die Herkunft der Globussegmentkarte gebe es bislang keine gesicherten Erkenntnisse, erklärte Sven Kuttner von der Universitätsbibliothek. Möglicherweise gelangte sie mit einem Exemplar der "Cosmographiae Introductio", einem einzigartigen Frühdruck mit einer handschriftlichen Weltkarte, über Umwege nach München. In dem unscheinbaren Geometrieband überstand die Waldseemüllersche Globuskarte jedenfalls auch den Zweiten Weltkrieg - ausgelagert in einer Luftschutzkiste.
©AFP 2012
Archivfoto: Christophe Simon










