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Costa Concordia: Kapitän wollte Kellner eine Freude machen

Rom - Der Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" ist angeblich extra nah an der Insel Giglio vorbeigefahren, um einem Kellner einen Gefallen zu tun.
Laut dem "Corriere della Sera" ließ Kapitän Francesco Schettino kurz vor dem Unglück Oberkellner Antonello Tievoli auf die Kommandobrücke rufen. Unter den noch vermissten Passagieren sind mindestens elf Deutsche. Bis zum Morgen wurden sechs Todesopfer des Unglücks geborgen. "Antonello, schau mal, wir sind ganz nahe an deinem Giglio", habe der Kapitän gesagt, zitierte das Blatt Zeugen.
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Daraufhin habe Tievoli gewarnt: "Vorsicht, wir sind extrem nahe am Ufer." Unmittelbar darauf lief das Schiff auf Grund.Die "Costa Concordia" war am Freitagabend mit mehr als 4000 Menschen an Bord vor der Insel Giglio an der Westküste Italiens auf Felsen aufgelaufen und später auf die Seite gekippt. Dem "Corriere della Sera" zufolge hatte Tievoli einige Tage vor dem Unfall frei bekommen sollen, musste aber wegen Personalproblemen an Bord bleiben. Schettino habe ihm deshalb eine Freude machen wollen, indem er wenigstens nahe an Tievolis Heimatinsel vorbeifuhr. Dem "Corriere" zufolge soll der Oberkellner von der Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall vernommen werden.
Die Reederei Costa hatte Kapitän Schettino am Sonntagabend "Fehlentscheidungen" vorgeworfen und erklärt, die Route des Schiffs habe offenbar zu nah an der Küste vorbei geführt. Zudem habe sich die Einschätzung des Kapitäns für einen Notfall "nicht mit den von Costa vorgegebenen Standards" gedeckt. Schettino arbeite der Reederei zufolge seit 2002 bei Costa, zunächst als Sicherheitsoffizier. 2006 sei er zum Kapitän ernannt worden.
Am Sonntag hatte bereits die Staatsanwaltschaft massive Vorwürfe gegen den Kapitän erhoben. Der Kurs des Luxusliners sei eindeutig "nicht richtig" gewesen, sagte ein Staatsanwalt. Zudem habe Schettino das Schiff lange vor dem Ende der Evakuierungsaktion verlassen. Die Ermittler werfen der Crew zudem vor, verspätet mit der Evakuierung begonnen zu haben.
Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen bis zum Mittag keine genauen Vermisstenzahlen vor. Die Zahl bewege sich im "niedrigen zweistelligen Bereich", sagte ein Behördensprecher in Berlin. Es werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, den Verbleib der betreffenden Passagiere aufzuklären. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt und die deutsche Botschaft in Rom seien in ständigem Kontakt mit dem Kreuzfahrtunternehmen und den italienischen Behörden.
©AFP 2012
Foto: Andreas Solaro






