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Notarztpool hat sich bewährt: 42 Experten für alle Fälle

Notarztpool hat sich bewährt: 42 Experten für alle Fälle Harsewinkel/Halle/Westf. (Kreis Gütersloh) - Im April begann für Bernd Strickmann und für viele seiner Kollegen eine neue Zeitrechnung: Erstmals organisierte der Kreis Gütersloh den Notarztdienst für bestimmte Einsatzzeiten über einen Notarzt-Pool.

An den beiden Notarztstandorten in Halle/Westfalen und Harsewinkel übernehmen Notarzt Bernd Strickmann und 41 weitere, davon 17 Ärztinnen, von 17:00 Uhr bis 07:00 Uhr morgens den Dienst sowie an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr. „Und es klappt hervorragend“, zeigt sich Organisator Strickmann zufrieden. Die Ärzte im Pool seien hochqualifiziert, motiviert und durch die Planung aus einer Hand hätten sich viele Synergieeffekte ergeben.

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„Wer sich hier für den Notarztdienst meldet, tut das freiwillig, und nicht, weil sein Krankenhaus ihn dazu verpflichtet hat“, betont Strickmann. Der 47-Jährige ist Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin und seit 2006 Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Gütersloh. Und auch die Freiwilligen sind vom Fach: 71 Prozent der Einsätze werden durch einen Notarzt mit der Qualifikation zum leitenden Notarzt abgedeckt. In 87 Prozent aller Einsätze ist der Notarzt nach abgelegter Prüfung zum Führen der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin befugt. Die Anästhesisten bilden die Mehrheit, 75 Prozent aller Einsätze fahren sie.

Strickmann: „Ein Anästhesist kann wie jeder andere auch ein schlechter Notarzt sein, aber er bringt die besten Vorrausetzungen für einen guten Notarzt mit.“ Anästhesisten behandeln in der Klinik Patienten aller Fachrichtungen, vom Neugeborenennotfall bis zum Herzinfarkt, und beherrschen daher ein großes Spektrum von Notfällen. Außerdem bringen sie schon wesentliche Kenntnisse in der Schmerzbehandlung mit. „Notarztwesen? Das ist die auf die Straße verlagerte Intensivmedizin“, erklärt Jutta Grabe, Ärztliche Leiterin des Notarztstandortes am St. Elisabeth-Hospital, Mitglied der Leitenden Notarztgruppe und Notärztin im Pool.

„Noch können wir es uns leisten, den einen oder anderen Kollegen abzulehnen, wenn ich an der Qualifikation meine Zweifel habe“, meint Strickmann. 28 Euro Stundenlohn – brutto wohlgemerkt – und 22,20 Euro pro Einsatz erhalten die Honorarkräfte. Für den kassenärztlichen Notdienst, der Hausbesuche macht, wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist, werden Vertretungsärzten 35 Euro pro Stunde gezahlt. Am Geld kann es also kaum liegen, dass Strickmann so viele engagierte Kollegen im Pool hat. Wieso machen sie es dann? „Ich mag das einfach gerne“, sagt Jutta Grabe. „Hier in Harsewinkel habe ich es mit Landrettung zu tun. Das ist ein Riesenunterschied.“ Längere Anfahrtswege bis zum Krankenhaus als in der Stadt fordern den Notarzt stärker. „Ich lerne unheimlich dazu und erweitere meinen Horizont“, meint die Honorarkraft. Außerdem rufen die Menschen auf dem Land nicht so schnell nach dem Notarzt: „Wenn sie aber anrufen, haben sie wirklich was.“

Für den, der für den Dienstplan zuständig ist, gibt es aber auch noch andere Gründe: „Wir haben einen vorbildlichen Fahrzeugpark, das wird mir immer wieder von Notärzten, die auch anderswo eingesetzt werden und dadurch vergleichen können, bestätigt“, erzählt Strickmann. Das gleiche gelte für die moderne Ausstattung und die Geräteauswahl. Lob gibt es auch für die engagierten und sehr gut ausgebildeten hauptamtlichen Rettungsassistenten der Kreisverwaltung und der eingebundenen Hilfsorganisationen „Personalentwicklung im Sinne von jahrelanger Erfahrung und ständiger Fortbildung, sehr gutes Arbeitsgerät und ein sicherer, unbefristeter Arbeitsplatz sind eine herausragende Grundlage für einen effizienten Rettungsdienst“, ist sich der Ärztliche Leiter sicher.

Und das Lob geht noch weiter: Christian Rickel, Abteilung Ordnung Kreis Gütersloh, hat für die Internetseite rettungsdienst-gt.de, die sich ausschließlich an die Mitarbeiter richtet, eine Komplettsoftware entwickelt. Die Notärzte melden sich über die Seite im System an und können sich direkt für einen Dienst eintragen. „Und über den Rechner kann ich auch direkt eine SMS an alle schicken, sollte mal kurzfristig jemand ausfallen und ich Ersatz brauche“, berichtet Strickmann. Sogar die Rechnungsstellung läuft über dieses Portal, jeder kann sich ein Dokument mit seinen Abrechnungen erstellen lassen, etwa fürs Finanzamt.

Ginge es nach Strickmann, würden noch mehr Notarztstandorte zum Pool gehören, er sieht – fast nur – Vorteile: „Wir haben zwei Standorte. Melden sich zwei für ein und denselben Tag, kann ich sofort beide Standorte besetzen. Je mehr Ärzte und je mehr Standorte dabei sind, umso stabiler ist der Dienstplan. Einen kleinen Haken hat das System dennoch: „Weihnachten und Silvester sind nicht leicht zu besetzen.“ Und da Strickmann nicht nur den Dienstplan aufstellt, sondern auch selbst Notarzt ist, kommt er häufiger in die Verlegenheit, einzuspringen.

Zum Thema: Notarztsystem im nördlichen Kreisgebiet
Werktags von 07:00 bis 17:00 Uhr werden die Notarztwachen an beiden Standorten von den Krankenhäusern besetzt – in Harsewinkel allerdings nur jede zweite Woche, die anderen fährt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst Bernd Strickmann während seiner Bürozeit in Harsewinkel. Nachts und an Wochenenden und Feiertagen kommt der Notarztpool zum Zug. Mit Strickmann sind es 42 Ärzte, die derzeit aktiv mitarbeiten. 57 sind schon registriert – einige haben aber mitunter wegen einer Babypause noch keinen Dienst übernommen.

Die Ärzte im Pool kommen von allen Krankenhäusern im Kreis Gütersloh – mit Ausnahme der LWL-Klinik und dem Krankenhaus Rheda –, von Krankenhäusern jenseits der Kreisgrenze aus Niedersachsen, hier insbesondere der Schüchtermannklinik, und Bielefeld und drei sind Allgemeinmediziner mit unterschiedlichen Beschäftigungen.

Hochgerechnet 2821 Einsätze werden die Notärzte an den zwei Standorten bis Ende des Jahres gefahren sein, macht 7,73 Einsätze pro 24-Stundenschicht. Anekdote am Rand: Der unter Medizinern sehr bekannte Cartoonist Daniel Marx (früher Lüdeling; rippenspreizer.com) ist Mitglied im Pool. Zum Aufbau des Notärztepools hatte sich der Kreis Gütersloh auch aus Qualitätsgründen entschlossen. Zwar ist es aus Kreissicht ein eher bequemer Vorteil, die lückenlose Sicherstellungspflicht einem Krankenhaus oder Privatunternehmer zu überlassen, doch bietet das neue System eine direkte Auswahlmöglichkeit des Personals. Mitunter wurden aus den Krankenhäusern Ärzte zum Notarztdienst verpflichtet, die nicht oder noch nicht den hohen Qualitäts- und Leistungsansprüchen des Kreises entsprochen haben. Auch mussten die Vertragspartner in den Krankenhäusern für den Notarztdienst auf externe, also nicht im Krankenhaus angestellte Kräfte zurückgreifen.

Bild:
Bernd Strickmann, Notarzt und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, und seine Kollegin Jutta Grabe, Ärztliche Leiterin Notarztstandort Elisabeth-Hospital, vor dem Einsatzfahrzeug der Notärzte in Harsewinkel, das die Malteser samt Fahrer stellen.

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