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Einsatz von Familienhebammen: Eltern-Kind-Bindung so früh wie möglich stärken

Einsatz von Familienhebammen: Eltern-Kind-Bindung so früh wie möglich stärken Harsewinkel (Kreis Gütersloh) - Wann immer frisch gebackene Eltern Probleme oder Fragen zu ihrer neuen Lebenssituation und den damit einhergehenden Veränderungen haben, können sie sich an Karin Wulff wenden: Sie arbeitet als Familienhebamme der Stadt Harsewinkel im Kreisfamilienzentrum miniMAXI und unterstützt Eltern im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes. Seit 35 Jahren ist sie als Hebamme tätig, 2009 qualifizierte sie sich weiter zur Familienhebamme.

Damit wurde die Stadt Harsewinkel zum Vorreiter im Kreis Gütersloh - noch hat ihr Tätigkeitsbereich Seltenheitswert, doch im Laufe dieses Jahres sollen im Rahmen des neuen Bundeskinderschutzgesetztes auch in anderen Kommunen Familienhebammen als feste Institution eingerichtet werden. Der Bedarf ist da: 54 Fälle hat Karin Wulff im letzten Jahr betreut.

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Familienhebammen haben sich auf einen bestimmten Bereich im breiten Tätigkeitsfeld der Hebammen spezialisiert. Klassischerweise sind Hebammen um das gesundheitliche Wohl von Mutter und Kind während der Schwangerschaft bemüht. Sie geben Ratschläge zur richtigen Ernährung und bei Schwangerschaftsbeschwerden, führen Geburtsvorbereitungskurse oder Geburtshilfe durch und kümmern sich um die Wochenbettbetreuung. Ihre Arbeit endet normalerweise acht Wochen nach der Geburt. Die Arbeit der Familienhebamme geht zu diesem Zeitpunkt erst richtig los und kann bis zum einem Jahr in Anspruch genommen werden. Immer häufiger melden sich auch alleinerziehende Väter um die Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

„Das Wichtigste ist, die Bindung zwischen Eltern und Kind so früh wie möglich zu stärken, am besten von der Geburt an“, beschreibt Birgitt Rohde, Leiterin der Regionalstelle West der Abteilung Jugend, Familie und sozialer Dienst des Kreises Gütersloh, die zentrale Aufgabe einer Familienhebamme. „In der Arbeit der Jugendhilfe hat sich immer wieder gezeigt, dass Kinder, die eine gute Bindung zu den Eltern entwickeln konnten, Krisen und Probleme oftmals besser meistern können als Kinder die wenig oder unsicher gebunden sind“, erklärt sie weiter. „Wir wollen den Start ins Leben unterstützen, damit sich Folgeprobleme gar nicht erst entwickeln.“

Ein gestörtes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern kann ganz unterschiedliche Ursachen haben: Überforderung sehr junger Eltern, Depressionen aber auch Drogenmissbrauch oder Gewalt in der Familie sind nur einige Beispiele und sollen möglichst früh erkannt werden, um schlimmeres zu verhindern. In ihrer Arbeit wurde Karin Wulff schon häufig mit sehr schwierigen Fällen konfrontiert, doch wenn sie durch ihren Einsatz etwas an der Situation verbessert konnte, war es für sie immer der schönste Lohn. „Ich fühle mich als berufene Hebamme, aber nicht jeder ist dafür geeignet. Man muss die Not erkennen und Spaß daran haben, Lösungen zu finden. Dazu ist eine große Offenheit, Flexibilität und Kooperationsbereitschaft erforderlich.“ Sie kann die Fortbildung jedoch ausdrücklich weiterempfehlen: „Sie hat mich bereichert und gestärkt. Ich fühle mich nun deutlich sicherer im Umgang mit Problemen, die über den medizinischen Bereich hinaus gehen.“

Familienhebammen sind ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks Frühe Hilfen. Ziel ist es, Eltern frühzeitig Hilfe und Unterstützung anbieten zu können, die Zusammenarbeit von Hebammen, Ärzten, Kindergärten, dem Jugendamt oder dem polizeilichen Opferschutz, den Beratungsstellen und ähnlichen Einrichtungen zu fördern und das soziale Frühwarnsystem zu verbessern. Trotz der Zusammenarbeit sei die Familienhebamme jedoch keine Handlangerin des Jugendamtes, betont Rohde ausdrücklich. Sie handele zwar immer im Interesse des Kindes, doch alles geschehe in freiwilliger Kooperation mit den Eltern.

Auch Karin Wulff sieht sich ihrem Beruf in erster Linie als Netzwerkerin. Sie geht auf die individuellen Probleme und Fragen der Eltern ein, gibt Tipps, an welche Einrichtungen sie sich wenden können und stellt auch die nötigen Kontakte her: „Ich arbeite beispielsweise auch mit der Stadtverwaltung zusammen, so kann ich schnell vermitteln, wenn eine Familie dringend eine neue Wohnung braucht.“ Neben der Herstellung von Kontakten geht es häufig auch um Fragen der Lebensplanung und –organisation: Wie lassen sich Familie und Beruf vereinbaren und der Tag am besten strukturieren? Manche Probleme sind sehr persönlich, so kann es auch darum gehen, wie sich die Paarbeziehung und die Sexualität verändert, wenn man plötzlich zu dritt ist. Wulff legt in ihrer Arbeit daher viel Wert auf Vertraulichkeit und Feinfühligkeit.

Karin Wulff ist zu erreichen unter 0171 / 5 25 23 93 und dienstags von 11:00 bis 12:00 Uhr im Kreisfamilienzentrum miniMAXI in Harsewinkel, Prozessionsweg 12.

Bild:
Ziehen gemeinsam an einem Strang: Familienhebamme Karin Wulff (l.) und Birgitt Rohde, Leiterin der Regionalstelle West der Abteilung Jugend, Familie und sozialer Dienst des Kreises Gütersloh.

Nachrichten aus der Stadt Harsewinkel und ihren Ortsteilen

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